Projektbeschreibung

Zusammenfassung

Gegenstand ist die kontrastive Untersuchung der Nationenstereotype Deutschlands sowie Chinas in chinesischen bzw. deutschsprachigen Print- und Onlinemedien auf Basis von linguistischen Imageanalysen (KLIma) und sehr großer Textkorpora. Ziel ist das Transparent-Machen der jeweiligen Länderimages in einem „Chinesisch-Deutschen Imagereport“ (CDI), der als Grundlage für eine empirisch fundierte Politik- und Wirtschaftsberatung dienen kann.

Folgende drei erkenntnisleitende Fragen stehen im Vordergrund:

  1. Mit welchen sprachlichen und multimodalen Formen werden Nationenstereotype konstituiert und mit welchen qualitativ-quantitativen Methoden lassen sie sich im diachronen und synchronen Vergleich ermitteln?
  2. Welche Attribute werden den Nationen China und Deutschland bzw. deren Volksgruppen in deutschen und chinesischen öffentlichen Medien signifikant häufig zugeschrieben („Public Images“) und welche potentiellen Nationenstereotype lassen sich hieraus ableiten?
  3. Welche Schlussfolgerungen für kulturvermittelnde Politik, Wirtschaft und Didaktik sind aus den Ergebnissen ziehen?

Im Rahmen des Projektes soll ein gemeinsames und für kulturvergleichende Studien angepasstes Methodenset der kontrastiven linguistischen Imageanalyse (KLIma) entwickelt und in Workshops auch zur Förderung von Nachwuchskräften trainiert werden. Zeitgleich wird die gemeinsame Datengrundlage erhoben und ausgewertet. Ziel ist die Veröffentlichung eines ersten „Chinesisch-Deutschen Imagereports“ sowie die Diskussion der Ergebnisse im Kontext binationaler Kulturarbeit.

Über eine erste zweijährige Pilotphase hinaus sollen die Analysen jährlich aktualisiert und der Imagereport verstetigt werden. Dabei sollen in Verbundforschung weitere Medien und Kulturbereiche (z.B. fiktionale Literatur, Werbung usw.) erfasst und im Hinblick auf Stereotypenbildung mit ausgewertet werden. Für diesen Zweck werden Kooperationen mit weiteren interdisziplinären Projektpartnern angestrebt.

Das Projekt wird 2014-2015 wird gefördert vom DAAD aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) sowie des China Scholarship Council (CSC) in Höhe von insg. 53.000 Euro.

Kernziele des Projektes

Das Forschungsprojekt zum „Chinesisch-Deutschen Imagereport (CDI)“ verfolgt drei Kernziele:

  1. Kulturwissenschaftliche Beschreibung potentieller kognitiver Nationen-, Kultur- und Gruppen-Stereotype zu China und Deutschland in deutsch- und  chinesischsprachigen Print- und Onlinemedien 2000-2013 mit Hilfe kontrastiver korpusgestützter linguistischer Imageanalysen (KLIma) sowie Publikation und öffentliche Diskussion der Ergebnisse in einem ersten Imagereport;
  2. linguistische Beschreibung und Typologisierung unterschiedlicher sprachlicher Zeichen (Sprachmuster) als kulturell geschliffene, historisch sowie medial situierte Konstituenten dieser Stereotype und als Grundlage für die Weiterentwicklung semi-automatischer Analyseverfahren;
  3. Aufbau einer internationalen und interdisziplinären Forschungsinfrastruktur zur Untersuchung von medial (re)produzierten Stereotypen aus dem Blickwinkel einer chinesisch-deutschen bzw. asiatisch-europäischen Kulturarbeit.

Zur Methodik

Das Projekt bedient sich quantitativer und qualitativer Methoden.

Zur korpuslinguistischen, kontrastiven Analyse von Images werden auf Basis verschiedener Großtextdatenbanken für das Zeitintervall 2000-2013 sämtliche Texte erhoben, die Deutschland oder China zum Gegenstand haben. Die Auswahl der Texte erfolgt sowohl auf Basis von Schlagwörtern (ausdrucksseitige und wertneutrale Rekurrierung auf besondere chinesische Sachverhalte wie Orte, Personen, Ereignisse usw.), die im Vorfeld deduktiv zugrunde gelegt und/oder aus einer Erstsichtung der erhobenen Daten heraus induktiv gewonnen wurden. Durch manuelle Prüfung sämtlicher Texte auf ihre Relevanz werden False-positive-Kandidaten aussortiert. Sämtliche Texte werden anschließend aufbereitet (bereinigt), mit dem TreeTagger lemmatisiert und POS-annotiert in einer relationalen Datenbank nach Medium und Publikationszeit sortierbar abgelegt.

Mit der Datenaufbereitung ist die Einarbeitung in ein gemeinsames methodisches Analyserepertoire verbunden, das Ansätze der Korpuspragmatik (Felder/Müller/Vogel (Hg.) 2012) sowie der korpuslinguistischen Imageanalyse (Lima; Vogel 2010a, 2010b, 2012) aufgreift und zu einer kulturkontrastiven linguistischen Imageanalyse (KLIma) weiterentwickelt. Kern dieses Verfahrens ist a) die automatische Gewinnung von kontrastiven Sprachmustern und Ko(n)textprofilen (Kookkurrenz-, Ngram- und Clusterprofile) zu Minimalhypothesen mit Hilfe imagelinguistischer, statistisch fundierter Spezialsoftware sowie b) die kulturvergleichende, qualitativ-hermeneutische Auswertung dieser Profile als Indikatoren für damit potentiell evozierte Nationenstereotype und Vorurteile.

Hintergrund ist die Annahme, dass rekurrente Sprachmuster in großen Medientextkorpora einerseits Indices für produzentenseitige schematisierte Wissensrahmen darstellen und andererseits rezipientenseitig durch wiederkehrende Attribute und Prädikationen (Zuschreibungsmuster) potentielle Standardwerte in Frames (Minsky 1975; vgl. Scherner 2000 u.a.) anbieten.

Für die Gewährleistung einer sensiblen kulturkontrastiven Datenauswertung arbeiten die ProjektteilnehmerInnen während ihrer Analysen zeitweise in dem Partnerland. Nur so lassen sich die Verfahren untereinander reliabel abstimmen und die Ergebnisse kontinuierlich evaluieren.

Im Anschluss an eine konzentrierte Auswertungsphase sollen die Ergebnisse in Form eines ersten „Chinesisch-Deutschen Imagereports“ (CDI) für den Untersuchungszeitraum 2000-2013 veröffentlicht und öffentlich diskutiert werden.